Dass Gesichter etwas über die Persönlichkeit verraten, ist bekannt. Doch schottische Forscher haben überraschende Unterschiede bei den Geschlechtern entdeckt: Während der Charakter den Frauen ins Gesicht geschrieben ist, sind Männergesichter so aussagekräftig wie das Antlitz einer Schaufensterpuppe.
Männer verstehen die Frauen nicht? Sie müssten ihnen nur ins Gesicht sehen. Das jedenfalls legt eine Studie nahe, die Psychologen der Universität Glasgow jetzt veröffentlichten. Demnach steht Frauen ihr Charakter für fast jedermann lesbar im Gesicht geschrieben, der Männerwelt dagegen spricht ihre Persönlichkeit so gut wie nie aus der Miene heraus.
Die Forscher hatten tausend Leser des britischen „Newscientist“-Magazins gebeten, ihre Passfotos einzusenden und ihren Charakter in einem Fragebogen zu beschreiben: Je nachdem, wie humorvoll, glücklich, religiös, vertrauenswürdig sich die Einsender selbst einschätzten, wurden sie in Gruppen sortiert, nach Männern und Frauen getrennt. Anschließend mischten die Forscher die Fotos, sodass jeder der vier Charaktere elektronisch viele neue Kunstgesichter verpasst bekam: das kleine Näschen verschmolz mit dem markanten Haken zum gemittelten Riechorgan, die buschige Braue über der tiefen Höhle zum düster-verdunkelten Gesamtausdruck. Anschließend die Frage an 6500 Leser im Internet: Sehen Sie diesen Kunstgesichtern ihren Charakter an?
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Ergebnis: Die Frauengesichter erwiesen sich für die Befragten als leserlich wie ein Kinder-Comic: 70Prozent der Teilnehmer fanden das Glücksgesicht auf Anhieb, 73 Prozent landeten einen Volltreffer bei der Religiosität, und ebenfalls die Mehrheit lag bei der Vertrauenswürdigkeit richtig. Nur Witz und Humor waren in den weiblichen Gesichtern kaum zu erkennen.
Die Überraschung kam mit der Begutachtung der Männergesichter: Die Herren der Schöpfung waren emotional so aussagekräftig wie Schaufensterpuppen.
„Dass das Gesicht ein Fünkchen über die Persönlichkeit verrät, ist nicht neu“, sagt Studienleiter Rob Jenkins, „erstaunt hat uns der Unterschied zwischen den Geschlechtern aber schon.“ Undurchsichtiger Mann, offensichtliche Frau – was heißt das fürs Leben? Nicht viel, denn wenn es drauf ankommt, gilt ein anderes Naturgesetz: Liebe macht blind.
Quelle: Die Welt, 17.2.
Veröffentlicht unter Frauen, Männer